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Leadership ist (k)ein Persönlichkeitstest

Inhalt Zusammengefasst:
Dieser Newsletter beleuchtet die Rolle von Persönlichkeit und neurobiologischer Lernfähigkeit in der Entwicklung wirksamer Führung. Persönlichkeitstests sind in der Führungskräfteentwicklung weit verbreitet, greifen in gewisser Hinsicht jedoch zu kurz. Leadership ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern das Ergebnis einer neurobiologisch fundierten Entwicklung. Entscheidend ist, wie Menschen ihre Stärken reflektieren, Schwächen ausgleichen und sich in Alltagssituationen weiterentwickeln.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass Führungskompetenzen, sofern sie in gewissem Maß vorhanden sind, formbar sind. Neurotransmitter beeinflussen, wie Führung erlebt und gestaltet wird. Fähigkeiten wie Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Emotionsregulation spielen eine zentrale Rolle für wirksames Führungsverhalten, insbesondere in Drucksituationen. Diese Kompetenzen können zwar weiterentwickelt und erlernt werden, unterliegen jedoch individuellen Unterschieden. Während klassische Persönlichkeitstests oft stabile Persönlichkeitsmerkmale abbilden, erfassen sie weniger dynamische Fähigkeiten. Führungskompetenz entsteht im Zusammenspiel von persönlichen Dispositionen sowie gezielter Entwicklung und ist keine reine Typfrage.
Leadership ist (k)ein Persönlichkeitstest
„Bin ich der Typ für Leadership?“
In vielen Unternehmen geht der Aufstieg zur Führungskraft häufig mit einer Gehaltserhöhung und zusätzlicher Teamverantwortung einher, jedoch nicht immer mit der Entwicklung der dafür erforderlichen sozialen und emotionalen Kompetenzen. Persönlichkeitstests wie der Big Five gelten als wissenschaftlich fundiert, während Verfahren wie MBTI oder DISG zwar im Unternehmenskontext beliebt sind, jedoch geringere wissenschaftliche Gütekriterien aufweisen (Rosenstiel, 2009). Sie können wertvolle Impulse zur Selbstreflexion liefern und helfen, das eigene Verhalten einzuordnen. Studien zeigen, dass moderate Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen wie Extraversion oder Gewissenhaftigkeit und Führungserfolg bestehen (Judge et al., 2002). Ihre Aussagekraft bleibt begrenzt, wenn es darum geht, das situative Verhalten einer Person in komplexen, emotional fordernden und sozialen Führungssituationen vorherzusagen. Persönlichkeitstests erfassen vor allem stabile Dispositionen, jedoch weniger Lernpotenzial und Rollenanpassung (Geraghty, 2021). Zudem unterliegen Persönlichkeitstests methodischen Herausforderungen. Die Ergebnisse können durch soziale Erwünschtheit beeinflusst und verzerrt sein. Demnach hängt die Objektivität, Reliabilität und Validität der Messungen stark von der Testsituation und -auswahl ab.
Persönlichkeit und Führungswirksamkeit
Individuelle Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen die Ausgestaltung der Führungsrolle sowie die Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben maßgeblich und prägen, wie Führung wahrgenommen wird. Der Persönlichkeitstyp entscheidet jedoch nicht allein über die Führungsqualität. Von essenzieller Bedeutung ist ebenso, wie Eigenschaften im Kontext reguliert und eingesetzt werden (Wunderer, 2009). Um authentisch führen zu können, ist es wichtig, Stärken zu nutzen und Schwächen auszugleichen. So kann etwa ein hohes Maß an Empathie konsequentes Entscheiden hemmen. Demnach sollten Persönlichkeitsmerkmale, die stark oder kaum ausgeprägt sind, mit vorhandenen Kompetenzen verknüpft werden. Merkmale wie Gewissenhaftigkeit und Extraversion gelten als einflussreiche Prädikatoren für Führungsverhalten. Dennoch zeigen Forschungsergebnisse, dass auch eher introvertierte Personen durch gezielte Kompetenzentwicklung souveränes Auftreten erlernen können. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können den Einstieg in die Führungsrolle erleichtern, insbesondere dann, wenn kommunikative oder soziale Kompetenzen bereits stärker ausgeprägt sind. Doch auch Personen ohne diese Voraussetzungen können durch gezielte Entwicklung wirksam führen. Zudem spielt das Umfeld einer Person eine Rolle in der Führungskräfteentwicklung. Je nach Situation können unterschiedliche Persönlichkeitsprofile gleichermaßen erfolgreich sein. Dabei ist ausschlaggebend, wie Fähigkeiten des Individuums im konkreten Kontext genutzt und weiterentwickelt werden.
Neurobiologische Grundlagen von Führungsentwicklung
Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt: Führungskompetenz beruht auf der Plastizität des Gehirns. Diese beschreibt die strukturelle und funktionale Veränderbarkeit durch Erfahrungen und Lernprozesse (Schwarz, 2018). Kompetenzen wie Emotionsregulation, Aufmerksamkeitssteuerung und interpersonelle Sensibilität basieren auf neuronalen Netzwerken, die durch gezielte Anwendung gestärkt werden können (Reinhardt, 2015; Schumacher & Stern, 2012). Ein zentrales Konzept in diesem Zusammenhang ist die neuronale Kohärenz, welche die koordinierte Aktivität verschiedener Gehirnregionen beschreibt. Je besser bestimmte Gehirnareale, etwa der präfrontale Kortex und das rechte Frontalhirn, synchron arbeiten, desto wirksamer gelingt empathische und authentische Kommunikation, Handlungskontrolle und Konfliktmanagement (Aboiron, 2022). Neurochemische Botenstoffe wie Cortisol (Stress), Dopamin (Antrieb), Serotonin (Selbstregulation) und Oxytocin (Bindung) beeinflussen dabei sowohl das individuelle Erleben als auch das soziale Miteinander (Ghadiri & Peters, 2013). Die Haltung und Kommunikation einer Führungskraft beeinflussen somit das Sicherheitsgefühl und die Kooperationsbereitschaft im Team (Zhe & Yazdanifard, 2015).
Selbstwahrnehmung als Schlüssel zur Wirksamkeit
Ein oft unterschätzter Bestandteil wirksamer Führung ist die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung. Neurobiologisch im medialen präfrontalen Kortex verankert, ermöglicht sie das Reflektieren der eigenen Wirkung auf andere, um entsprechend reagieren zu können. Führung wird dann effektiv, wenn sie auf bewusster Selbststeuerung beruht und die Führungskraft erkennt, wie Gedanken, Emotionen und Handlungen, besonders in Teamdynamiken, wahrgenommen und verarbeitet werden. Führungskompetenz bedeutet daher, die Selbstwirksamkeit durch Erfahrungen und bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen antizipieren zu können (Reinisch, 2019).
Bedeutung für Führungskräfteentwicklung
Leadership basiert auf neuronalen Lernprozessen, weswegen Führungskompetenzen entsprechend unter gegebenen Persönlichkeitsmerkmalen entwickelt werden können. Führung entsteht aus der Wechselwirkung von Persönlichkeit und neuroplastischem Lernen. Studien belegen, dass gezielte Lern- und Entwicklungsprozesse emotionale Verarbeitung und neurobiologischen Prozesse, etwa die Regulierung von Cortisol, messbar verändern (Reinhardt, 2015). Individuelle Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen den Einstieg in die Führung, jedoch nicht das Entwicklungspotenzial. Menschen, die bereits über ausgeprägte soziale, emotionale oder kommunikative Kompetenzen verfügen, fällt die Übernahme der Führungsrolle oft leichter. Denn sie können schneller stabile Wirksamkeit entfalten, da vorhandene Fähigkeiten wie Empathie, Entscheidungsstärke oder Konfliktfähigkeit direkt anschlussfähig sind. Dennoch bedeutet das nicht, dass andere Personen weniger geeignet sind. Auch wer (noch) nicht dem „klassischen Führungstyp“ entspricht, kann durch systematisches Lernen und passende Rahmenbedingungen wirksam führen, wenn Persönlichkeit, Rolle und Kontext aufeinander abgestimmt sind (Zadorothny et al., 2025). Die Erweiterung der Führungskompetenzen setzt voraus, dass Interesse und Bereitschaft zur kontinuierlichen und gezielten Weiterentwicklung vorhanden sind.
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Fazit
Persönlichkeit ist ein bedeutender Aspekt von wirksamer Führung, denn sie beeinflusst Führung, bestimmt diese aber nicht ausschließlich. Führungskompetenzen entwickeln sich im Zusammenspiel von individuellen Voraussetzungen und Kompetenzen, gezieltem Training und dem situativen Kontext. Neurowissenschaftlich betrachtet ist Leadership ein dynamischer Entwicklungsprozess, der durch neuronale Plastizität, emotionale Selbstregulation und das soziale Umfeld geprägt ist. Das Gehirn entwickelt Führungskompetenz weiter, wenn die richtigen Impulse und Reflexionsräume geboten werden, wobei bestimmte Persönlichkeitsmerkmale diesen Prozess erleichtern können. Wer Führung fördern möchte, sollte weniger in Typen und mehr in Potenzialen denken.
Literatur:
Aboiron, J. (2022). Leadership Seen by Neuroscience. International Journal of Applied Research in Business and Management 3 (1):8-18.
Geraghty, T. (2021). Critique of personality profiling (Myers-Briggs, DISC, Predictive Index, Tilt, etc.).
Ghadiri, A. & Peters, T. (2013). Neuroleadership – Grundlagen, Konzepte, Beispiele. Erkenntnisse der Neurowissenschaften für Mitarbeiterführung. Gabler Verlag Wiesbaden.
Judge, T.A., Bono, J.E., Ilies, R. & Gerhardt, M.W. (2002). Personality and Leadership: A qualitative and quantitative review. Journal of Applied Psychology, 87(4), 765-780.
Reinhardt, R. (2015). Neuroleadership: Theoretische Grundlagen, empirische Befunde und kritische Perspektiven. SRH Fern Hochschule.
Reinisch, M. (2019). Führungskompetenz im Spiegel von Ich und Du. Einblicke erfahrener Führungskräfte in Selbst- und subjektive Fremdwahrnehmung. Institut für Medizinische Psychologie, LMU München.
Rosenstiel, L. v. (2009). Führung durch Persönlichkeitstests? In Führungspsychologie ( 83–98). Springer.
Schumacher, U., & Stern, E. (2012). Neurowissenschaften und Lehr-Lern-Forschung. DDS – Die Deutsche Schule, 104(4), 392–408.
Schwarz, F. (2018). Konzentriert denken: Wie man die Gehirnleistung mit Neuroplastizität verbessert – für mehr Erfolg in Beruf und Alltag (1. Aufl.). Redline Verlag München.
Wunderer, R. (2009). Führung und Zusammenarbeit: Eine unternehmerische Perspektive (6. Aufl.). Gabler.
Zhe, J. W. X., & Yazdanifard, R. (2015). The neuroscience of effective leadership; Cultivation of a healthy corporate culture through neurochemicals. International Journal of Management, Accounting and Economics, 2(6), 584–594.
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